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Die Euro-7-Abgasnorm kommt – aber später und anders als gedacht.

Lange wurde in der EU diskutiert, liebe Leserinnen und Leser. Die Vorschläge der EU-Kommission für die neue Abgasnorm wurden zwar am 9.11.2023 vom Europaparlament mit Änderungswünschen angenommen. Die Autoindustrie hat sich aber kräftig dagegen gewehrt. Mit Erfolg. Die neue Euro-7-Abgasnorm kommt zwar, aber deutlich später und anders als gedacht. Aber macht eine neue Abgasnorm in Zeiten von emissionsfreien E-Autos überhaupt Sinn und was bedeutet sie für die rund 4,8 Millionen Autos auf Schweizer Strassen?

 

1. Euro 1

Alles begann 1992 mit der Einführung der Schadstoffklasse Euro 1. Wobei von einer Schadstoffklasse eigentlich gar nicht gesprochen werden kann. Lediglich Kohlenmonoxid, also CO, wurde mit einer Grenze von 2720 mg/km belegt. Zum Vergleich: Die neue Euro 7 sieht einen Grenzwert von 500 mg/km vor. Stickoxide, Feinstaub oder Kohlenwasserstoffe waren damals gar kein Thema und ein geregelter Katalysator war auch noch in weiter Ferne. Die Fahrzeuge von damals dürfen also mit gutem Grund als «Dreckschleudern» bezeichnet werden.

2. Euro 2 bis Euro 6

1996 folgte die Euro 2, vier Jahre später die Euro 3, 2005 die Euro 4 und 2009 die Euro 5. Die heute gültige Euro 6 wurde am 1. September 2014 eingeführt und sieht insbesondere für Dieselfahrzeuge noch tiefere Grenzwerte vor. NOx (Stickstoffoxid) kann bis tief in die Lungenbläschen eindringen, greift die Schleimhäute an und kann zu Atemwegserkrankungen führen. Zu Recht wurde es von 0,18 auf 0,08 Einheiten reduziert.

3. Euro 7

Und nun soll also die Euro 7 kommen. Aber was bringt eigentlich eine neue, noch strengere Schadstoffklasse, wenn ab 2035 in der EU sowieso keine Verbrenner mehr verkauft werden dürfen? Zur Erinnerung: E-Autos weisen bei allen Schadstoffarten einen Wert von 0 auf. 

Umweltzonen

Warum sind Abgasnormen wichtig?

Das Offensichtliche, liebe Leserinnen und Leser, ist die Gesundheit: Abgasnormen sind für unsere Gesundheit von herausragender Bedeutung. Stickoxide, Kohlenmonoxid, Feinstaub und Co. haben eine toxische Wirkung auf unsere Atemwege. Wer schon mal in Lahore, Delhi, Peking oder Los Angeles (nicht ganz so schlimm) war, weiss, wovon ich spreche.

Es gibt aber noch einen weiteren, praktischen Grund, warum Sie die Abgasnorm Ihres Autos kennen sollten. Wer in eine Umweltzone in europäischen Innenstädten fahren will – es gibt immer mehr davon –, braucht eine Genehmigung oder eine Umweltplakette. Ob Ihr Fahrzeug dazu berechtigt ist, richtet sich nach dem Schadstoffausstoss – also der Euro-Norm Ihres Fahrzeugs.

Die Schadstoffklasse entscheidet darüber, ob und welche Plakette Ihr Auto erhält. Hier erfahren Sie, wo welche Regeln gelten: Umweltzonen

Abgasnorm

Wann kommt die Euro 7?

Mit einer Mehrheit aus Christdemokraten, Liberalen und Europa-Kritikern hat das EU-Parlament für eine abgeschwächte Abgasnorm Euro 7 gestimmt. Die neuen Grenzwerte kommen deutlich später und in einer milderen Form, als es die EU-Kommission gefordert hatte.
1. 2030

Aus ursprünglich 2025 für Pkws respektive 2027 für Lastwagen wurde 1. Juli 2030 respektive 1. Juli 2031. Zur Erinnerung: 2035 soll bereits das in der EU angekündigte Verbrenner-Aus kommen. Bis dahin wird sich an der bestehenden Abgasnorm Euro 6 wohl nichts mehr ändern.

2. Geplante Schadstoffgrenzen

Die geplanten Schadstoffgrenzen orientieren sich an den aktuellen Euro-6d-Werten, sehen jedoch keine Unterscheidung mehr vor zwischen Dieseln und Benzinern. Entsprechend hätte ein Diesel nicht mehr 80 mg NOx/km emittieren dürfen, sondern nur noch die für Benziner bereits geltenden 60 mg. Der für Ottomotoren erlaubte Kohlenmonoxid-Ausstoss hätte auf 50 mg (den Dieselwert) halbiert werden sollen. Zudem hätte die Abgasreinigung in der Lage sein müssen, sämtliche Grenzwerte zehn Jahre lang über 200 000 Kilometer einzuhalten – statt wie bisher fünf Jahre und 100 000 Kilometer. Sie sehen, wir verwenden den Konjunktiv, denn die geplanten Verschärfungen sind zumindest bis auf weiteres nur noch etwas für die Geschichtsbücher.

3. Starke Autoindustrie

Ob die Euro 7 in der jetzigen Form 2030 tatsächlich kommt, ist zudem noch gar nicht sicher. Eine Reihe von EU-Mitgliedstaaten – es sollen acht an der Zahl sein, alle mit starker Autoindustrie – hat bisher ihre Zustimmung verweigert. Das Argument: Die Autohersteller müssen kurz- und mittelfristig Gelder in die Entwicklung verbesserter Abgasreinigungssysteme stecken, die sie lieber in den Bau emissionsfreier Fahrzeuge, sprich E-Autos, investieren würden. Ganz von der Hand zu weisen ist dieses Argument nicht.

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Das Datum Juli 2025 für die Euro-7-Norm ist vollkommen unrealistisch. Wir kämpfen für eine vernünftige Euro-7-Lösung – die ausserdem wirksam die Luftqualität in den Städten erhöht.
Oliver Zipse
Vorstandsvorsitzender BMW AG
Elektroautos

Was bedeutet die Euro 7 für E-Autos?

E-Autos haben bekanntlich keinen Auspuff und emittieren entsprechend keine Schadstoffe wie Stickoxid, Kohlenmonoxid oder Feinstaubpartikel. Wer nun aber denkt, E-Autos wären bei der Euro 7 fein raus, der irrt. 

Denn neben den herkömmlichen Schadstoffen sollen in der neuen Norm auch Partikel, die von den Bremsen oder den Reifen stammen – eine Weltpremiere, sagen die Gesetzgeber stolz – gemessen und berücksichtigt werden. Damit würden auch E-Autos unter die neue Abgasnorm fallen. Wie diese Werte aber genau gemessen werden sollen, ist noch völlig unklar. Entsprechend werden zunächst keine eigenen EU-Grenzwerte und -Regeln erarbeitet, sondern bevorstehende Abkommen der Vereinten Nationen abgewartet. Es kann also noch etwas dauern.

Die Gesetzgeber haben sich aber noch etwas Zusätzliches ausgedacht: Für Stromer sieht die EU-Kommission in der Euro 7 eine Mindesthaltbarkeit der Batterien vor. Nach fünf Jahren oder 100 000 Kilometern darf die Speicherkapazität der Batterie nicht unter 80 % fallen, nach acht Jahren oder 160 000 Kilometern sollen es immer noch 70 % sein. Ob diese Regelung sinnvoll ist, muss zumindest diskutiert werden, denn die Hersteller stellen diese Werte schon heute über Werksgarantien sicher. Zudem werden Weiterentwicklungen bei der Batterietechnologie – Stichwort Feststoffbatterien – die von der EU-Kommission vorgesehenen Werte in den Schatten stellen.

Gut zu wissen

Was heisst es für die Schweiz?

In der Schweiz sind derzeit 4,8 Millionen Fahrzeuge zugelassen, rund 12 % mit einer Euro-3-Norm oder tiefer (oder nicht definiert). Umweltzonen wie in vielen europäischen Metropolen sind hierzulande nicht vorgesehen. Entsprechend müssen sich Besitzerinnen und Besitzer dieser Fahrzeuge keine Sorgen machen – ausser sie planen eine Fahrt nach Mailand, Paris oder Amsterdam. 

Sollte die Euro 7, in welcher Form auch immer, in ferner Zukunft doch noch kommen, wäre natürlich auch die Schweiz davon betroffen. Bis dahin muss sich die grosse Mehrheit, insbesondere diejenigen mit E-Autos, noch keine grossen Sorgen machen.

Wir wünschen Ihnen weiterhin eine gute und unfallfreie Fahrt.