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Wohin des Weges, Toyota?

Die Toyota Motor Corporation ist ein Schwergewicht. Über 200 Mrd. CHF Marktkapitalisierung. Ein Aktienkurs, der sich seit 2000 verdreifacht hat. Seit 2022 der weltweit grösste Autobauer und eine Firmengeschichte voller Innovationen: 1997 wurde das weltweit erste Hybrid-Auto, der Prius, lanciert. Er wurde über 5 Millionen Mal verkauft. Keine schlechten Voraussetzungen für die Zukunft, sollte man meinen. Und doch: Es ziehen dunkle Wolken am Himmel auf. Aber lesen Sie selbst.

Eine Erfolgsgeschichte

Nichts ist unmöglich

Kennen Sie, sehr verehrte Leserinnen und Leser, den Satz «Nichts ist unmöglich»? Genau. Der ikonische Werbeslogan von Toyota, der den Bekanntheitswert der Marke Toyota 1985 innerhalb von 14 Tagen um sagenhafte 176 % gesteigert hat. «Nichts ist unmöglich» eignet sich aber auch ausgezeichnet, um die Denkweise von Toyota zu beschreiben.

Die Erfolgsgeschichte von Toyota begann 1936 mit dem ersten Serienmodell AA. Die Japaner kopierten geschickt von der Konkurrenz. Bei der Konstruktion des Motors und des Antriebsstrangs orientierten sich die japanischen Ingenieure damals an einem Chevrolet, Baujahr 1933, dem Erfolgsmodell des Firmengründers Louis Chevrolet aus La Chaux-de-Fonds. In den 1970er-Jahren eroberten die Japaner den nordamerikanischen Markt. Neue Produktionsprozesse auf der Basis von Kaizen, was so viel wie Veränderung zum Besseren bedeutet, machten Toyota zu einem Konzern mit den höchsten Qualitätsstandards und Produktivitätsraten. Nichts schien unmöglich.

 

1. Unangefochtener Primus

«There is always a better way» steht prominent auf der Website von Toyota. Das Unternehmen hat in den letzten Dekaden jedes Jahr zwischen 6,8 und 9 Millionen Fahrzeuge produziert und ist seit 2022 der weltweit grösste Automobilhersteller. In gewissen Märkten und Segmenten ist Toyota der unangefochtene Primus. Platz 1 für das meistverkaufte Auto der Welt hat Toyota 2023 zwar an Tesla abtreten müssen. Die restlichen vier Modelle der Top 5 stammen aber gemäss dem Marktforschungsunternehmen Jato Dynamics weiterhin von Toyota. Corolla, Hilux, RAV4 und der unverwüstliche Camry.

2. Falscher Absatzmarkt

Aber Toyota hat ein Problem. Die grossen Stückzahlen verkauft der Konzern in Süd- und Südostasien, Afrika und Südamerika. Und dort werden auf absehbare Zeit Elektroautos keine grosse Rolle spielen. Auch aus diesem Grund konzentrierte sich Toyota bisher auf Verbrenner und seit einem Vierteljahrhundert auf die Hybridtechnik. Von den 8,9 Millionen verkauften Autos 2022 waren 2,7 Millionen «elektrisch». Wobei die Japaner mit elektrisch vor allem die sogenannte Hybrid-Technology meinen – also Fahrzeuge, die über eine ganz kleine Batterie verfügen, nicht an der Steckdose aufgeladen werden können und kein oder nur ganz kurzes elektrisches Fahren erlauben. Ein Relikt aus der Vergangenheit, als es noch keine effizienten Lithium-Ionen-Batterien mit Reichweiten von mehreren hundert Kilometern gab. 

3. Reine Elektroautos?

Reine Elektroautos, wie es Tesla und Co. vormachen? Fehlanzeige. Ein Blick auf www.toyota.com zeigt gerate einmal ein einziges vollelektrisches Fahrzeug. Den bZ4X. Die Tochtergesellschaft Lexus bringt es immerhin auf zwei rein elektrische Modelle. Zu Recht wird in der Branche gemunkelt, dass der Koloss unter der Ägide des ehemaligen CEO Akio Toyoda die E-Mobilität schlicht und einfach verschlafen hat. Sogar bei Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen schafft es Toyota nicht einmal in die Top 5.

Man of the Year

Ein Mann mit Benzin im Blut!

Es ist kein Geheimnis, liebe Leserinnen und Leser: Akio Toyoda, heute Chairman und bis April 2023 CEO von Toyota, ältester Sohn von Shōichirō Toyoda sowie Enkelsohn des Toyota-Firmengründers Kiichirō Toyoda, ist ein begeisterter Motorsportfreund. Er hat sich von jeher für die Entwicklung von Sportwagen wie dem Lexus IS-F und LF-A eingesetzt. Er nahm dreimal unter dem Pseudonym «Morizo Kinoshita» als Fahrer am ADAC-24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring teil und belegte 2009 mit dem LF-A-Prototyp Nr. 14 sogar den 4. Rang in seiner Klasse. Ein Mann mit Benzin im Blut. 2012 wurde Akio Toyoda von «Autocar» als «Man of he Year» geadelt. 

Der Enkel des Firmengründers war noch nie bekannt dafür, in der Elektrifizierung die Zukunft der Mobilität zu sehen. Lieber fokussierte er auf Neuentwicklungen in der Verbrenner- und Hybridtechnologie. Gleichzeitig hielt er entgegen dem Trend an Brennstoffzellen fest. Der Mirai, das Toyota-Wasserstoffauto, entpuppte sich aber als veritabler Flop, was der Chief Technology Officer Hiroki Nakajima 2023 gegenüber dem britischen Auto-Magazin «Autocar» zähneknirschend zugab. Das Unternehmen will aber trotzdem weiterhin an der Brennstoffzelle festhalten, jedoch verstärkt auf Nutzfahrzeuge setzen. Ein Selbstläufer wird aber auch dieses Segment nicht werden. Von Anfang bis Mitte 2023 wurden in der Schweiz 1564 E-Lieferwagen neu zugelassen – und 1 Lieferwagen mit Wasserstoffantrieb.

Nach fast 14 Jahren im Amt zieht sich Toyoda nun auf den Posten des Verwaltungsratspräsidenten zurück. Seinem Nachfolger Koji Sato fällt die Herkulesaufgabe zu, die lahmende Elektroauto-Offensive endlich zu beschleunigen. 

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«There are many ways to climb the mountain that is achieving carbon neutrality»
Akio Toyoda
Chairman Toyota Motor Corporation
Zukunft

Hybrid, Wasserstoff oder doch Elektroauto?

Toyota steht vor gewaltigen Herausforderungen. Während der Konzern bestehende Märkte in Südamerika, Asien und Afrika weiterhin mit attraktiven Modellen auf Verbrenner- und Hybridbasis beliefern muss – dort kommt die E-Mobilität bekanntlich deutlich später –, muss das Unternehmen in den USA, Europa und China den grossen Rückstand bei E-Fahrzeugen aufholen, um konkurrenzfähig zu bleiben.

 

1. 10 neue Elektroautos bis 2026

Während Tesla weiterhin der unangefochtene E-Auto-Primus ist, China mit aller Macht in den E-Auto-Markt drängt und die amerikanischen und europäischen Marken an der 2. und 3. Generation von Elektroautos arbeiten, hat Toyota mit dem FT-3e, dem Lexus LF-ZC sowie dem FT-Se gerade mal drei neue Modelle in den Startlöchern. Immerhin sollen bis 2026 zehn neue rein batterieelektrische Fahrzeuge dazukommen, sechs davon auch in Europa. Ob das reicht, wird sich zeigen.

2. Keine leichte Aufgabe

Die breit gefächerte Strategie zur Erreichung der CO2-Neutralität umfasst einen Blumenstrauss von unterschiedlichen Technologien. Zum Programm zählen Hybrid-, Plug-in-Hybrid-, Batterie- und Brennstoffzellen-Elektroantriebe ebenso wie Verbrennungsmotoren mit Wasserstoff bzw. E-Fuels. Auch für den weltweit grössten Autobauer alles andere als eine leichte Aufgabe.

3. Hohe Eintrittsbarrieren

Doch damit nicht genug. Auch bei der Batterietechnologie, bekanntlich ein Geschäft mit ausgesprochen hohen Eintrittsbarrieren und einem riesigen Investitionsbedarf, will Toyota vorne mitmischen. Kürzlich hat das Unternehmen eine innovative Feststoffbatterie – das Unternehmen spricht von einem technologischen Durchbruch – mit langer Lebensdauer, 20 % mehr Reichweite und 40 % tieferen Kosten angekündigt. Ab 2027sollen wir in den Genuss dieser neuen Batterietechnologie kommen. Mehr dazu gibt es bei unseren Kollegen von Autobild.

Ganz günstig ist die breite globale Aufstellung aber nicht. Bis 2030 soll ein zusätzliches Investitionsbudget von umgerechnet 7 Mrd. CHF dafür sorgen, dass Toyota in Europa seinen CO₂-Fahrplan einhalten kann: Bis 2030 sollen die europäischen Werke CO₂-neutral arbeiten und bis 2035 soll CO₂ in der Neufahrzeugflotte kein Thema mehr sein – logisch, denn dann tritt das EU-Verbrennerverbot in Kraft. In Europa will der Konzern 2040 komplett CO₂-neutral unterwegs sein, zehn Jahre später auch global. 
 

An Herausforderungen fehlt es dem neuen CEO Koji Sato also bestimmt nicht. Unterschätzen sollten Volkswagen, BMW, Mercedes und Co. Toyota aber trotzdem auf keinen Fall. Das Unternehmen hat seine Resilienz und Innovationskraft in der Vergangenheit schon einige Mal eindrücklich unter Beweis gestellt. Viel Zeit bleibt dem Unternehmen aber nicht.